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 28.06.2012  10:45 Uhr

Heimathelden
„Was rockt kommt drauf“: Ein Blick hinter die Serengeti-Kulissen

Ostwestfalen. Mit dem „Serengeti Festival“ steht Ostwestfalen das Live-Highlight der Saison ins Haus. Ende Juli ist es endlich so weit – das haben wir als Anlass genommen, um Henrik Wächter von der veranstaltenden Vibra Agency zu besuchen, der Einblick in seine Arbeit am Großereignis gewährt hat. Außerdem geht es um Booking, Facebook-Nörgler, Umweltbewusstsein und mehr...

20.07.2012 - auf ein Neues!, Copyright:
20.07.2012 - auf ein Neues!

Hallo Henrik! Erzähl uns doch erst einmal, was die Vibra Agency macht und was deine Aufgabe dabei ist.
Angefangen hat das mit dem Walent Cerkez, der viele kleinere Konzerte, besonders in Sennestadt, veranstaltet hat. Das zog irgendwann weitere Kreise und die Shows wurden größer, bevor er 2006 angefangen hat, das „Serengeti Festival“ zu machen – damals noch in Kooperation mit den Leuten vom X. Ansonsten organisieren wir auch noch die „Parklichter“ in Bad Oeynhausen, dieses Jahr außerdem auch wieder das „AstA Sommerfestival“ in Paderborn. Zuletzt kommen dann noch kleine und große Hallen- und Clubshows dazu.
Ich selber bin hier für die Konzert- und Veranstaltungsproduktion verantwortlich. Das geht los mit der Infrastruktur: Beim „Serengeti“ zum Beispiel bestelle ich die Zäune, bestelle die Dixis, bestelle den Wagen, der die Dixis wieder abpumpt, bestelle die Einlassschleusen, überlege mir welche Zelte wir brauchen, rede mit der Security, plane unser Personal und so weiter.

Nun hast du eben schon den „Serengeti“-Start 2006 angesprochen. Was war der treibende Gedanke dahinter?
Naja, ein Festival zu machen! Hier in der Region gibt es das „Umsonst & Draußen“ in Porta, aber ansonsten keine so wirkliche Festivalveranstaltung. Zumindest keine mit einem etwas „größeren“ Anspruch, die – ohne es schlechtmachen zu wollen – eben nicht nur umsonst und draußen, sondern ein kommerzielles Festival mit Wachstumspotential ist.

2011. Die letzte Band hat gespielt, die Bühne ist abgebaut – wann und mit was fängt dann die Planung für 2012 an?
Sofort danach eigentlich, da es dann direkt darum geht, den Vorverkauf für’s nächste Jahr loszutreten. Einen Termin hat man meistens schon vorher festgelegt, so dass man dann anfängt, mit Bands zu sprechen. Natürlich befasst man sich nicht gleich acht Stunden am Tag wieder mit dem Festival…allerdings redet Walent momentan schon mit Bands für 2013!

Wie läuft das, wenn ihr eine Band klargemacht habt? Verkündet ihr das dann auch sofort?
Kommt drauf an. Manche Headliner etwa darf man erst zu einem bestimmten Datum bekanntgeben. Das war letztes Jahr mit In Extremo so: Die hatten Anfang April noch eine Show im Ringlokschuppen, also durften wir erst nach diesem Auftritt bekannt geben, dass sie auch beim „Serengeti“ spielen werden. So läuft das, damit sich die örtlichen Veranstalter hier keine Karten wegnehmen.

Circle Pit? Klappt scheinbar auch ohne Slipknot oder Metallica., Copyright:
Circle Pit? Klappt scheinbar auch ohne Slipknot oder Metallica.

Gibt’s eine bestimmte Philosophie bei der Auswahl der Bands?
Die Philosophie ist, ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Wir wollen keine Metal-, HipHop-, Elektro- oder Sonstwas-Veranstaltung sein, sondern einfach ein Rock-Festival. Wobei auch HipHop rocken kann; wir hatten letztes Jahr KIZ da, dieses Mal kommt Dendemann. Bei uns spielen definitiv harte Bands, wir sind jedoch nicht auf eine Richtung festgelegt. Was rockt kommt drauf!

Man macht sich so natürlich ein bisschen leichter angreifbar, oder? Im Internet setzte es teilweise ziemlichen Gegenwind, wenn es Neuigkeiten zum Line Up gab.

Ganz viel. Wenn wir eine Band verkündet haben, die weder Metallica noch Slipknot ist, ging’s bei uns auf der Facebook-Seite erstmal rund. Aber zum einen sind es fast immer die gleichen Leute, die sich da beschweren, zum anderen kommen viele von denen letztendlich trotzdem zum Festival. Wir gehen momentan davon aus, dass wir noch etwas mehr Besucher als im letzten Jahr haben werden – von daher kann es jetzt nicht der total falsche Weg sein.

Am 20.07. geht es schließlich los. Wie wirst du diese drei Tage verbringen?

Hoffentlich, indem ich gemütlich rumsitze und mir Bands ansehe…aber das wird wahrscheinlich nicht passieren. Vermutlich stehe ich um 6 Uhr morgens auf, gehe um 4 Uhr nachts in irgendeinem Container schlafen und behalte zwischendurch im Auge, das alles passt. Tagsüber bin ich dann Ansprechpartner für Personal, Interviews, Backstageführungen und sowas.

Gibt’s trotzdem eine Band, die du dringend sehen willst?
Ich muss dieses Jahr unbedingt Ignite sehen. Letztes Jahr habe ich genau eine Band vollständig live gesehen, Bad Religion. Das war der letzte Auftritt des Festivals, da habe ich das Funkgerät ausgemacht und mich mit meiner Freundin ins Publikum gestellt. Ansonsten habe ich auch einfach nicht die Ruhe, um mir Bands anzusehen, weil ich mir ständig „Irgendwas ist jetzt…“ denke.

Mal drauflos geträumt: Wo wollt ihr das „Serengeti“ in fünf bis zehn Jahren sehen? Welche Bands würdet ihr gern begrüßen?
Wir stellen uns natürlich vor, dass das Ding weiter in guten Schritten wächst und wir am Tag vielleicht mal 15.000 Leute da stehen haben – viel größer muss das gar nicht werden. Da wir das einzige Festival dieser Art in der Region sind, besetzen wir unsere eigene Nische und können darin größer werden. Außerdem gibt das Gelände auch die Möglichkeit dazu. An Bands fänd ich die Beatsteaks oder Rise Against geil. Es ist allerdings nicht so, dass wir von den großen Rockstars träumen…mit den Riesenevents wollen wir gar nicht in Konkurrenz treten.

Soweit sicher: Deichkind werden das Festival am Sonntagabend abschließen, Copyright:
Soweit sicher: Deichkind werden das Festival am Sonntagabend abschließen

Gibt es sonst nochwas, das die Leute über das „Serengeti“ wissen sollten?
In diesem Jahr ist uns der Umweltaspekt ganz besonders wichtig. Wir befinden uns ja in der Nähe eines Naturschutzgebietes und müssen uns dementsprechend verhalten. Deshalb wollen wir die Leute darauf hinwiesen, das zu berücksichtigen und nicht einfach alles wegzuschmeißen. Letztes Jahr haben wir muldenweise Zeug vom Zeltplatz geschafft. Da stehen etliche von diesen rollbaren Müllcontainern auf dem Gelände, es liegt aber alles drumherum und im Container selbst ist so ein bisschen der Boden bedeckt! Leute lassen ihre Zelte, Grills und Pavillons stehen…und je mehr Müll da liegt, desto höher sind unsere Kosten und desto teurer werden dann auch die Festivaltickets.

Ganz wichtige Sache außerdem: Die Heringe von den Zelten siehst du teilweise nicht mehr, wenn die richtig tief im Boden sind. Wenn nicht gerade Festival ist, wird dort jedoch Heu produziert. Irgendwann kommt dann jedenfalls der Mähdrescher, reißt den Boden ein bisschen mit auf und zerhexelt unter anderem diese Heringe, wodurch etliche kleine Metallsplitter entstehen können. Und das essen dann die Tiere nebenan im Safaripark. Da macht sich keiner Gedanken darüber, dabei ist das echt nicht witzig. Deshalb wollen wir die Leute dieses Jahr ganz verstärkt darauf hinweisen!


 

(Redaktion)

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