Review
Where amazing happens: NBA 2K11
Xbox 360, Playstation 3, Wii. Die Sportsimulation aus dem Hause Take Two ist bereits am 8. Oktober für Xbox 360, Playstation 3 und Wii erschienen. Nach zahlreichen Matches auf Microsofts Konsole, deren Version des Spiels Grundlage des Artikels ist, darf auch an dieser Stelle vermeldet werden, was den meisten Basketball-Fans bereits bewusst sein dürfte: ”NBA 2K11” bewegt sich gemessen an aktuellen Standards am Rande der Perfektion.
Soviel vorweg...
Ich habe mich bisher nie sonderlich viel mit Basketball beschäftigt. Das erwähne ich nicht nur, weil ich gerne von mir selber erzähle, sondern auch um vorweg klarzumachen, mit welcher Herangehensweise diese Kritik entstanden ist. Jahrelange NBA-Experten sollten folglich nicht die tiefgehendste Analyse einzelner Taktik-Optionen erwarten, die es überhaupt im Internet zu finden gibt. Vielmehr könnte meine bescheidene Meinung interessant für Spieler sein, die ihre Konsole bisher hauptsächlich mit Fußball-Titeln gefüttert haben und sich fragen, ob andere, vermeintlich fremde Sportarten wie eben Basketball den gleichen Grad der Begeisterung auslösen können wie etwa „FIFA“ oder „Pro Evolution Soccer“. Sie können.
Worum geht es?
Nunja, eine relativ selbsterklärende Frage – um Basketball. Es geht um Dribblings, Steals, Turnovers, Slam Dunks, Alley Oops und im wesentlichen alles, was Freunde der besonders in den USA hochbeliebten Sportart auch in einer Videospiel-Umsetzung erwarten würden. Im Grunde sogar noch ein gutes Stückchen mehr als das, doch dazu an anderer Stelle mehr.
Wie präsentiert es sich?
Lasst Euch eine kleine Anekdote von der diesjährigen Gamescom erzählen. Als die Update-Delegation so über das Messegelände schlenderte, fragte ich mich an einem bestimmten Stand im ersten Moment, warum auf mehreren Fernsehern unterschiedliche Basketball-Spiele übertragen werden. Als mir im zweiten Moment auffiel, dass unter all diesen Fernsehern Konsolen aufgebaut waren, musste meine Kinnlade zunächst behutsam vom geheiligten Boden der Koelnmesse entfernt werden - in diesem Moment habe ich „NBA 2K11“ das erste Mal in bewegten Bildern auf einem hochwertigen Fernsehgerät gesehen.
Worauf ich hinaus möchte: Das Spiel sieht über weitere Strecken absolut fantastisch aus. Die Entwickler haben sich redlich Mühe gegeben, die Konsolenvariante des NBA-Zirkus wie einen Live-Broadcast im Fernsehen aussehen zu lassen und dürfen sich für das erreichte Ergebnis gern selbst auf die Schulter klopfen. Sehr authentische Bewegungen, detailreiche und in den meisten Fällen originalgetreu aussehende Charaktermodelle, eine lebendige Soundkulisse in der Halle – verdammt, sogar das Publikum, gerne mal ein hässliches Problemkind in Sportspielen, ist ordentlich gemacht.
Wie spielt es sich?
„NBA 2K11“ fällt in die Kategorie der Titel die leicht zu erlernen, dabei aber vergleichsweise schwer zu meistern sind. Wer sich zum ersten Mal auf den virtuellen Court wagt, wird im Zweifelsfall auch im niedrigsten Schwierigkeitsgrad erst einmal in seine Schranken gewiesen. Nach und nach bekommt man den Dreh jedoch raus und ein Gefühl dafür, wie man Bilderbuch-Dunks hinlegt statt den Ball zu verstolpern, wie man einen angreifenden Gegner am besten am Wurf hindert und wie man ihm das Spielgerät stehlen kann.
Soviel zum „Leicht zu erlernen“-Teil, mit dem sich beinharte Basketball-Profis selbstredend nicht zufrieden geben werden. Für diese Spezies gibt es eine ganze Stange weiterer Möglichkeiten, um auf dem Spielfeld durch souveränes Verhalten aufzufallen: Mit bestimmten Tastenkombinationen, die zwar kein handwerkliches Geschick, sehr wohl aber ein schnelles Reaktionsvermögen und ein Gespür für das richtige Timing verlangen, lassen sich im Vorfeld eingestellte Positionen einnehmen und Spielzüge verwirklichen, die fast jeden Gegner in ernsthafte Bedrängnis bringen. Bis dahin ist es zwar ein gewisser Weg, der Enthusiast geht ihn allerdings gerne und wird definitiv belohnt.
Was gibt es zu tun?
Nur falls es trotz Cover, trotz epischem Intro, trotz Hauptmenü noch nicht aufgefallen sein mag: Michael Jordan ist der unumstrittene Star von „NBA 2K11“. His Airness taucht seit Jahren erstmals wieder als spielbarer Charakter in einem Videospiel auf und bekommt zu diesem Anlass ordentlich den Bauch gepinselt.
Direkt unter dem Standard-Menüpunkt „Schnelles Spiel“ findet Ihr einen Modus, der schlicht und ergreifend den Namen des wohl großartigsten NBA-Stars aller Zeiten trägt. Hier können einerseits klassische Varianten der Chicago Bulls gewählt werden, um sie wahlweise gegen aktuelle Teams oder andere klassische Mannschaften antreten zu lassen. Langjährige Fans dürfen sich also auf ein Wiedersehen mit Larry Bird, Dennis Rodman, Scottie Pippen, Magic Johnson oder Detlef Schrempf freuen, die oftmals sogar in mehreren Klassik-Ausgaben ihrer jeweiligen Mannschaften von damals auftreten.
Aber es ging ja um Jordan. Das Herzstück dieses Modus und vielleicht des gesamten Spiels sind die „Jordan Challenges“, in denen Ihr ausgewählte Matches aus der Karriere von Nummer 23 nachempfindet und zum Bestehen der Herausforderung erreichen müsst, was MJ damals in der Realität gelungen ist.
Gelingen Euch in „Die Ankunft“ im Jahre 1986 im Playoff-Spiel gegen die Celtics 63 Punkte? Schafft Ihr es, die Lakers während der NBA Finals 1991 zu demontieren? Dominiert Ihr Utah Jazz in den Finals von 1997 trotz Grippe? Insgesamt gibt es zehn dieser Herausforderungen, die ihren Namen keineswegs zu Unrecht tragen. Persönlich kann ich an dieser Stelle leider nur mutmaßen, ich gehe jedoch stark davon aus, dass dieser Modus für alle, die die betreffenden Ereignisse damals live miterlebt haben, eine absolute Offenbarung ist.
Neben der Vollbedienung rund um den Cover-Athleten halten zahlreiche weitere Varianten die Motivationskurve oben. Im ausführlichen Association-Modus zum Beispiel managt Ihr ein komplettes Team, während „Mein Spieler“ in etwa als Äquivalent zum „Be a Pro“-Modus aus der „FIFA“-Serie zu sehen ist. Ferner kann trainiert, so ziemlich jede erdenkliche Modifikation vorgenommen und freilich auch mit bis zu drei Freunden gespielt werden.
Sonst noch was? Was gefällt, was nervt?
Was gefällt, sollte zu diesem Zeitpunkt eigentlich klargeworden sein – eine erstklassige Präsentation, klassische Teams, eine Spieltiefe, die gleichermaßen Anfänger begeistert und Profis fordert und nicht zuletzt Michael Jordan.
Genre: Sport
Entwickler: 2K Games
Vertrieb: Take Two
Freigabe: Ohne Altersbeschränkung
Handfeste Kritikpunkte zu finden, wird daher recht schwierig. Will man es doch versuchen, könnte man sich über gelegentliche unsinnige Pässe aufregen. Oder darüber, dass Euch der „Mein Spieler“-Modus wirklich ganz unten anfangen lässt und das Hocharbeiten eine ziemlich zeitintensive Angelegenheit ist...wobei man fairerweise auch argumentieren könnte, dass dies nur ein weiterer realistischer Aspekt ist. Das alles ist so oder so allerdings Meckern auf ganz hohem Niveau.
Am Ende des Tages...
...ist „NBA 2K11“ ohne große Zweifel der Genre-Primus. Selbst Sportart-übergreifend lässt Entwickler 2K Sports hier beachtlich die Muskeln spielen und zeigt, wie man Basketball-affinen Zockern einen spielbaren Liebesbrief schreibt. Für NBA-Fans darf eine Kaufempfehlung mit Ausrufezeichen ausgesprochen werden. Und auch ohne Vorliebe kann man hier eine Menge Spaß haben.
(MG)
Tags:- NBA 2K11
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