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 25.08.2011  11:56 Uhr

Interview
Zwangsheirat zwecklos: Kool Savas im Gespräch

Ostwestfalen. Noch bevor sein drittes „großes“ Album erscheint, wird sich der selbst- und trotzdem rechtmäßig gekrönte King of Rap im Bielefelder Gallery Club einfinden, um neue Kracher und alte Klassiker live zu präsentieren. Optimaler Zeitpunkt für ein paar Fragen an das Berliner Urgestein!

Der Champ kommt nach Bielefeld: Kool Savas, Copyright:
Der Champ kommt nach Bielefeld: Kool Savas

Hallo Savas! Wie geht es dir und von wo aus widmest du dich gerade meinen Fragen?
Mir geht’s ganz okay. Ich arbeite viel und sitze an den aktuellen Songs. Ich befinde mich im Studio!

Vor einiger Zeit ist publik geworden, dass dein drittes richtiges Soloalbum im November erscheint. Wie sieht der momentane Arbeitsstand an „Aura“ aus?
Das Album ist noch nicht fertig recordet, bis Ende des Monats müsste ich aber durch sein. Ich hatte größere Auszeiten, in denen ich nicht weitergeschrieben habe, da ich darauf warten musste, dass mein Mojo wieder komplett aufgeladen wurde.

Magst du schon preisgeben, auf was wir uns einstellen dürfen? Sicherlich fragen sich viele Fans, wie dein aktueller künstlerischer Stand ist, worauf du derzeit stehst, und was sich davon in welchem Ausmaß auf dem Album manifestieren wird.
Die Musik, die ich momentan höre, hat keinen Einfluss auf das Album. Am ehesten hat sich die "oldschoolige" Herangehensweise früherer Alben bei dem Arbeitsprozess bemerkbar gemacht. Ich habe viele Skizzen verworfen und in jedem Fall versucht, dem Songkonzept und der ursprünglichen Vision, die ich bei den jeweiligen Tracks hatte, gerecht zu werden. Weder meine Technikverliebtheit noch mein Faible für Melodien oder mein ausgefallener Beatgeschmack lässt sich bei „Aura“ wegdiskutieren. Genau so wenig wird es ein Album sein, dass es jemals in der Form gab oder was einem ein anderer deutscher Rapper geben könnte, da es einfach zu 100 Prozent Savas ist.

...und sein neues Album kommt auch., Copyright:
...und sein neues Album kommt auch.

Am 09. September wird man dich im Gallery Club in Bielefeld sehen können; nur einen Tag später tritt auch Taktloss in der Stadt auf. Für viele Fans eurer Frühwerke wären zwei, drei gemeinsam performte Songs natürlich ein absoluter Traum – vermutlich wird das trotzdem nicht mehr passieren. Oder?
Das höre ich zum ersten Mal. Ich denke nicht, dass es zu einer Zusammenkunft kommen wird. Aber alles ist möglich, wenn das Schicksal es will.

Im Laufe der letzten zehn bis fünfzehn Jahre hast du verschiedene Schaffensperioden durchlebt, die sich stilistisch teilweise deutlich voneinander unterschieden haben – man vergleiche etwa einen WBM-Track mit irgendeiner gediegenen, von Moe Mitchell unterstützten R’n’B-lastigen Nummer. Kannst du rückblickend sagen, welche deiner Veränderungen bewusst und gewissermaßen geplant waren und welche „einfach so passiert“ sind?
Alle Entwicklungen sind ein Spiegel der Zeit, des Geschmacks, des Umfelds und manchmal auch der Motive. Ich wollte immer gefallen an der eigenen Musik finden - das war mein oberstes Gebot. Ich habe sicherlich eine große Menge an Songs produziert, die mir überhaupt nicht mehr gefallen; aber genauso gibt es zwischendrin einige Juwelen. Zwischen Tracks wie „Haus und Boot“ und „Futurama“ kann ich keine Vergleiche ziehen, da beide zu ihrer Zeit aktuell und im besten Fall fortschrittlich waren / sind. Ich hoffe, am Ende meiner Karriere auf ein unterhaltsames und wertvolles Best Of blicken zu können. Geplant waren die diversen Entwicklungsstufen nie. Musik ist wie Liebe, es kommt wie es kommt und eine Zwangsheirat ist keine Option.

Stell dir vor, du chillst mit 60 auf der Veranda und hörst deine eigenen Platten durch. Auf welche Veröffentlichungen, Parts oder Lines bist du dann wohl besonders stolz; was ist dir auch nachhaltig betrachtet einfach richtig gut gelungen?
„Haus und Boot“, „Neongelb“, Parts auf Shadow und ein paar mit Justus, ein paar Maskulin-Sachen, die ersten beiden Soloalben, das „Euer bester Freund“-Mixtape, „Da bin da bleib“, „Das Urteil“, „Bello 3“, „Futurama“, „Rapfilm“, diverse Features wie „Was anderes“ mit Azad, „Brainwash 3“ und so weiter...und definitiv „Aura“!

'Alles ist möglich, wenn das Schicksal es will' - hoffentlich will es ein bisschen WBM-Nostalgie!, Copyright:
"Alles ist möglich, wenn das Schicksal es will" - hoffentlich will es ein bisschen WBM-Nostalgie!

Vor fast jeder Veröffentlichungen wird irgendwo im Internet getuschelt, dass es deine letzte große sein könnte. Ich gehe mal davon aus, dass du aktiv mit Rap weitermachen wirst, solange du Bock hast – doch was wird danach kommen? Hast du eine Perspektive, wo du dich meinetwegen in zehn Jahren siehst?
Ich könnte umgehend aufhören oder auch bis 50 weiter musizieren. Solange es schlechte MCs gibt, werd ich mich wohl immer verantwortlich fühlen, mich für die Rechte und Werte meiner / unserer Mucke und der HipHop-Kultur im Allgemeinen einzusetzen. Daher hoffe ich, dass es bald ein paar gute Rapper gibt, die den Job übernehmen können. Ich habe musikalisch einiges erreicht, was mich rückblickend aber weder glücklich noch gelassen werden lies. Das wichtigste im Leben ist Kinder zu zeugen und eine Familie zu gründen. Davon bin ich überzeugt.

Als Bielefelder Magazin haben wir die Karriere von Casper natürlich schon etwas länger verfolgt. Mit seinem aktuellen Album hat er sich so weit von ursprünglichem Rap abgekehrt wie nie zuvor...und war damit so erfolgreich wie nie zuvor. Hast du in seine Platte reingehört? Wie gefällt sie dir als jemand, der durchaus Wert auf das Rap-Reinheitsgebot legt?
Ich kenne das erste Video. Ich stehe null auf Gitarrenmucke und Grunge war mir immer suspekt. Ich freue mich für ihn, aber es ist kein HipHop. Nur zur Info.

Die deutsche Rap-Szene wirkt momentan ziemlich satt, gleichzeitig blickt die gesamte Musikindustrie einer unklaren Zukunft entgegen. Wenn du nun ein junges Talent mit deinem Wissensstand von heute wärst: Wie würdest du versuchen, nach oben zu kommen?
In dem ich von den Alten und Großen lerne; wie KRS One, Big L, Lord Finesse, MC Eiht, Too Short, Ice Cube, Dr. Dre, Funkdoobiest, Ras Kass, Hieroglyphics, Pharcyde, Nas, Jay Z damals, Eminem, Jadakiss, Royce da 5´9 und so weiter...die Liste ist unendlich. Wenn man mit diesen Dudes mithalten kann, ist alles möglich. Fakt ist: Ohne Flow geht NIX. Vergleiche und Storys sind schön, aber fehlendes Taktgefühl ist ein Todesurteil für jeden MC!


 

(MG)

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