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 19.01.2012  10:25 Uhr

Kolumne
Die Bundesliga erobert Bollywood: FC Bayern in Indien

Überregional. Das Prädikat „Made in Germany“ ist seit Jahrzehnten ein nicht mehr wegzudenkendes Gütesiegel in der Wirtschaft. Doch auch die deutschen Fußballkünste werden in Ausland sehr geschätzt und genießen ein hohes Ansehen – zumindest wenn es um die Nationalmannschaft geht! Wie sieht es jedoch mit der Bundesliga aus? Chris Punnakkattu Daniel berichtet aus erster Hand, nachdem er dem FC Bayern München nach Indien gefolgt ist!

Das Jawaharlal Nehru Stadium von Neu-Delhi, Copyright:
Das Jawaharlal Nehru Stadium von Neu-Delhi

Es ist leider ein Fakt, dass die deutsche Bundesliga im Vergleich zu anderen Topligen wie der englischen Premier League oder der spanischen Primera División im internationalen Ansehen nicht in der ersten Liga spielt. Insbesondere die Premier League hat es in den vergangenen Jahrzehnten geschafft, sich durch vorrausschauendes Handeln die Spitzenposition zu sichern. Im globalen Fußballgeschäft ist eine starke Präsenz im internationalen Markt notwendig, um konkurrenzfähig zu bleiben und neue Einnahmequellen, etwa durch die Auslandsvermarktung der TV-Rechte, zu generieren.

Zum Glück hat die Bundesliga das „Problem“ erkannt und ist seit einigen Jahren bemüht, sich einen Namen im Ausland zu machen. Das Zugpferd ist ohne Zweifel der Rekordmeister FC Bayern München. Sie sind seit einigen Jahren verstärkt in Asien aktiv, um Verein und Liga bekannter zu machen. Ein Hauptmarkt ist dabei der Subkontinent Indien mit mehr als einer Milliarde Einwohnern.

Auf Einladung des Sponsors flogen Schweini & co. aus dem Wintertrainingslager in Doha (Katar) zum „Audi Football Summit“ gegen die indische Fußballnationalmannschaft. Das Spiel im Jawaharlal Nehru Stadium von Neu-Delhi war bereits der zweite Besuch der ersten Bayernmannschaft, nachdem 2008 Oliver Kahn vor 125.000 Zuschauern in Kalkutta sein letztes Spiel als Profi bestritt. Der Bayerntross landete am Nachmittag des 9. Januar in der Hauptstadt und wurde unter Polizeieskorte in das Teamhotel „The Oberoi“ gebracht.

Philipp Lahm, Jupp Heynckes und Baichung Bhutia, Copyright:
Philipp Lahm, Jupp Heynckes und Baichung Bhutia

Coach Jupp Heynckes, Kapitän Philipp Lahm und Mittelfeld-Ass Bastian Schweinsteiger stellten sich nach der Ankunft der Presse. Mit dabei: Nationaltrainer Savio Medeira und Indiens Superstar Baichung Bhutia, der sein letztes Spiel im Nationaltrikot bestreiten sollte. „Indien ist ein großartiges Land und wir freuen uns sehr, bei Baichungs Abschiedsspiel antreten zu dürfen“, sagte Lahm. Schweinsteiger ergänzte: „Es ist eine große Chance für uns, neue Freunde und Fans zu gewinnen.“

Rund 35.000 Fußballfans versammelten sich am Folgetag im Stadion, um die Stars aus Europa gegen die eigene Nationalmannschaft spielen zu sehen. Sportlich war das Aufeinandertreffen des „Stern des Südens“ und der „Bhangra Boys“ kein Spiel auf Augenhöhe - Bayern gewann standesgemäß mit 4:0 durch Tore von Thomas Müller (2x), Mario Gomez und Bastian Schweinsteiger. Sportdirektor Christian Nerlinger weiß um die Bedeutung solcher Spiele und eines Marktes wie Indien. „Unsere Partner sind sehr am indischen Markt interessiert, der für sie und auch für uns wichtig ist. Wir freuen uns, weil wir erfahren haben, wie viele Sympathien wir in Indien besitzen. Es ist wichtig, dass man sich regelmäßig engagiert. Wir müssen natürlich mit der ersten Mannschaft vertreten sein; es muss aber auch weitere Aktivitäten geben!“.

Philipp Lahm überreicht Baichung Bhutia ein signiertes Bayern-Trikot mit dessen Nummer 15, Copyright:
Philipp Lahm überreicht Baichung Bhutia ein signiertes Bayern-Trikot mit dessen Nummer 15

Die Bemühungen des FC Bayern und der Bundesliga scheinen langsam Früchte zu tragen, denn die Liga schafft es, an die Konkurrenten heranzurücken. In der Saison 2011/12 durchbrachen die weltweiten Erlöse erstmals die 50-Millionen-Euro-Grenze. Im internationalen Vergleich liegt man auf Rang vier hinter der Premier League (ca. 300 Millionen Euro), Spanien (über 150 Millionen Euro) und Italien (90). Die nationalen Ligen sind heute mehr denn je finanziell von dem Faninteresse im fernen Ausland abhängig. Auch unsere Liga kann sich dem nicht verschließen und wird ihre Auslandsaktivitäten entsprechend weiter verstärken. Möge der Rubel, ähm Ball rollen…

Chris Punnakkattu Daniel ist Fußball- & Medienexperte mit über 10 Jahren Erfahrung im Sportgeschäft als Journalist und Experte für nationale und internationale Medien, Agenturen, Vereine und Verbände. www.chrispd.de | www.facebook.com/cpd81


 

(Redaktion)

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