Interview
Das Fremdwort Ruhe: Tujamo im Gespräch
Ostwestfalen. Wer sich durch die elektronisch geprägte Clublandschaft von Ostwestfalen bewegt, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon Bekanntschaft mit dem Sound von Matthias Richter gemacht haben. Den meisten dürfte der Detmolder allerdings eher als Tujamo bekannt sein, denn unter diesem Pseudonym beschallt er längst nicht mehr nur die Clubs der Region. Wie sich das deutsche Publikum vom brasilianischen unterscheidet, warum er nachts am effizientesten ist und wie er mit Leistungsdruck umgeht, verrät der Senkrechtstarter in 3...2...1!
Grüß dich, Matthias. Wo stellst du dich heute unserem kleinen Fragenkatalog?
Hi! Ich sitze gerade mit Bastian van Shield in meinem Studio in Verl. Wir arbeiten nebenbei an der ersten gemeinsamen Single.
Gib uns doch einmal einen kurzen Abriss deines bisherigen Schaffens. Wann und wie bist du zum Auflegen gekommen; wie ging das ganze dann zum Produzieren über? Kannst du dich an eine Art Initialzündung erinnern, die dich beeinflusst hat, selbst aktiv zu werden?
Auf jeden Fall. Ich war damals total fasziniert von der YouFM-Clubnight, da haben Nachts von Sven Väth bis hin zu Tocadisco alle möglichen DJs Livesets im TV gespielt. 2007 habe ich dann in Schüttorf einen DJ-Contest gewonnen und wurde direkt Resident, was für mich echt aufregend war. Immerhin war ich damals ja echt noch jung...2009 habe ich dann mit dem Produzieren begonnen.
Mittlerweile hast du diverse Achtungserfolge verbuchen können und wirst vielerorts als eines der vielversprechendsten Talente des Landes gefeiert. Wie fühlt es sich für dich an, so positiv wahrgenommen zu werden? Bringt das auch einen gewissen Leistungsdruck mit sich oder ist alles noch ganz entspannt?
Gute Frage! Es ist echt ein komisches Gefühl, wenn auf einmal Leute ankommen und Fotos mit dir machen wollen und du hier in der Nähe oft angesprochen wirst. Damit muss man auch erstmal umgehen können. Nicht so toll ist der Leistungsdruck im Studio, der deutlich größer geworden ist. Nach einer #2 in den Deutschen Dance Charts hat man selbst das Gefühl, dass man das jetzt „übertreffen" muss. Nicht immer einfach. Ich bin aber sehr ehrgeizig und arbeite wirklich hart.
Dein zunehmender Erfolg hat dich bereits ordentlich um die Welt reisen lassen. Wo bist du im Dienst der Musik schon gewesen, welches Land hat dich dabei besonders beeindruckt?
National habe ich wirklich schon fast in jeder größeren Stadt gespielt. International war ich bisher in der Türkei, Russland und Brasilien auf Tour. Brasilien hat mich mit Abstand am meisten umgehauen. Zehn-Tage-Tour mit einem unfassbar guten Tourmanager, super Clubs / Festivals und ein unglaubliches Feedback! Man kann es kaum in Worte fassen...
Machst du landesabhängig einen Unterschied in der Reaktion des Publikums aus? Inwiefern feiern Brasilianer oder Russen anders als die Gäste des Ego oder anderer deutscher Locations?
Ganz klar, man merkt deutliche Unterschiede. In Brasilien zum Beispiel hatte ich extreme Freiheit. Ich konnte spielen, was ich wollte. Ob bekannt oder nicht, es wurde gefeiert als wäre es die letzte Party, die jemals stattfindet - Wahnsinn! Russland war ähnlich. Deutschland hängt da leider manchmal etwas hinter her :-)
Was tust du in ruhigen Minuten am liebsten, um dich von den Strapazen als reisefreudiger DJ und Produzent zu erholen?
- Ruh… was? Nie gehört. ;-) Nein, im Ernst: Ich arbeite eigentlich rund um die Uhr. Sonntags schlafe ich viel, esse schön und das war's dann auch schon.
Gibt es im Gegenzug irgendeine bestimmte Stimmung oder Gemütslage, in der du besonders gut kreativ arbeiten kannst?
Ich muss gestehen, dass ich gerne nachts im Studio bin. Mich inspiriert die Nacht! Und der wohl größte Vorteil ist, dass mein Handy dann endlich mal ein bisschen runterfährt.
Gibt es auch abseits der elektronischen Genres Interpreten, die du viel hörst und die vielleicht sogar eine Inspirationsquelle darstellen?
Man wird es kaum glauben, aber wenn ich mal abschalte, dann höre ich ganz andere Musik. Ich stehe zum Beispiel total auf Jamie Woon, Maria Mena und die Sachen von Gramatik. Sowas höre ich übrigens meistens im Auto, auf dem Weg zu den Gigs.
Möchtest du schon einen Einblick gewähren, woran du momentan so im Studio arbeitest? Wann gibt’s neues Futter für die Tanzfläche?
Gerne! Wie bereits erwähnt, gibt's bald ’ne Kollaboration mit Bastian van Shield, zwei bis drei neue Tujamo-Singles sind so gut wie fertig und parallel arbeite ich noch an einem Remix für einen Künstler, den in der Szene wohl jeder kennt...
Worauf freust du dich diesen Sommer ganz besonders? Irgendwelche Events, denen du aktiv entgegenfieberst?
Ich spiele diesen Sommer erstaunlich viele Festivals. Darauf freue ich mich sehr! Die nächste Brasilien-Tour, Ukraine, Österreich, Frankreich, Spanien und England sind in Planung. Und natürlich 24/7 Studio, wo ich auch echt gerne bin!
(Redaktion)
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