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 27.12.2011  17:26 Uhr

Interview
Menowin Fröhlich und die Selbstverständlichkeit der Freiheit

Überregional. Das ist eine der Sachen, die wir bei der Arbeit an unserem Magazin besonders schätzen: Auch nach über zehn Jahren gibt es immer mal wieder kleine Premieren zu feiern. Bisher hatten wir zum Beispiel noch keinen Interviewpartner, der zum Zeitpunkt des Gespräches eine Gefängnisstrafe abzusitzen hat. Menowin Fröhlich allerdings, bekannt durch „Deutschland sucht den Superstar“, hat noch wenige Wochen Gewahrsam vor sich, als wir telefonisch über seine neuentdeckte Sportlichkeit hinter Gittern und seine Pläne für die Zeit in Freiheit geplaudert haben!

Seit Weihnachten in Freiheit: Menowin Fröhlich, Copyright:
Seit Weihnachten in Freiheit: Menowin Fröhlich

Hallo Menowin! Du hast einige Tage Freigang bekommen, um Promoarbeiten für deine Single „Waiting for Christmas“ zu erledigen. Wie nimmst du diese Tage wahr – ist das eine nette Abwechslung oder doch eher purer Stress?
Es ist schon sehr viel Stress – aber es ist cooler Stress, der mir Spaß macht. Das macht’s ja auch irgendwo aus in dem Job, dass man Spaß damit haben kann.

Besonders das Video zur Single wirkt sehr idyllisch.
Klar, das war auf jeden Fall super. Man muss dazu ja sagen, dass es mein erster wirklich richtiger Videodreh war und ich gar nicht wusste, wie es am Set aussieht, wie man da arbeitet und so etwas…die Leute meinten, dass ich das echt gut gemacht hätte und waren begeistert, mit wieviel Elan ich an die Sache rangehe. Das hat ja auch wirklich gedauert und ging teilweise bis in die Nacht, ich stand aber immer noch auf der Matte und wollte Sachen abdrehen. War schon cool!

Was für Auflagen hast du eigentlich bekommen, um diese Termine wahrnehmen zu können?
Da gibt es keine Auflagen und das ist auch kein besonderer Bonus, den ich da bekommen habe. Das sind Maßnahmen zur Vorbereitung der Entlassung. Es ist in der Regel so, dass Gefangene drei Monate vor ihrem vorraussichtlichen Entlassungstermin in die Lockerung gelassen werden. Das macht man, um den Menschen auf das Leben draußen vorzubereiten und ihn zu resozialisieren.

Und wie sieht dein Alltag hinter Gittern aus?

Der sieht vor allem so aus, dass ich seit mehreren Monaten sehr viel Sport treibe. Ich habe mir vorgenommen, etwas an mir zu verändern, und da ist das erste der Körper. Da ich immer so ein bisschen das Moppelchen war, wollte ich dem einen „Wow“-Effekt geben. Das hat gut funktioniert, ich habe neun Kilo abgenommen, habe meine Ernährung komplett umgestellt und bin ziemlich aktiv. Es ist ein guter Zeitvertreib, der mir viel Spaß macht und etwas ist, wo ich auch in Zukunft dranbleiben will.

Entsteht so ''ne geile Dancenummer'? Wir werden sehen..., Copyright:
Entsteht so "'ne geile Dancenummer"? Wir werden sehen...

Was für Sport kann man im Gefängnis denn machen?
Ich mache von Montag bis Freitag Kraftsport und am Samstag und Sonntag Ausdauer, sprich Joggen.

Also auch so ein bisschen auf Muskelaufbau abzielend? Wie klappt das mit der Ernährung und der nötigen Eiweißzufuhr?
Man muss halt einfach gucken, dass man sich ganz früh ein paar Kohlenhydrate reinzieht – zum Beispiel ein Schwarzbrot mit fettarmem Aufstrich und ’nem Ei. Um zehn dann nochmal ein trockenes Schwarzbrot, um zwölf löffelst du einen halben Kilo Quark. Vor dem Training ein schwarzer Kaffee, damit der Kreislauf richtig in Stimmung kommt…und danach, gegen 17 Uhr, gibt’s dann eine richtig gute, eiweißhaltige Mahlzeit. Eier, Thunfisch, ein bisschen Reis vielleicht. Um 20 Uhr eine weitere Dose Thunfisch, um die Muskeln zu erhalten. Man fühlt sich dann auch einfach ganz anders, als wenn es immer nur Schokolade und McDonald’s gibt. Kann man sich mal gönnen, aber man sollte auf sich achten!

Inwiefern hast du im Gefängnis die Möglichkeit, kreativ und musikalisch zu sein?

Das bin ich in meiner Zelle sehr oft. Es ist ja so, dass ich Englisch noch ein bisschen zu lernen habe, so dass ich Sachen auf Deutsch schreibe und sie dann später ins Englische umgesetzt werden. Ich sammele meine Texte in Mappen und fange dann an, passende Melodien dafür zu finden – so entstehen die Songs.

Was vermisst du denn am meisten, wenn du doch Musik und erfüllendes Training – wenn auch eingeschränkt – für dich hast?
Genau das ist der Punkt: Das eingeschränkt sein ist das Schlimme. Das Fehlen der Selbstverständlichkeit, einfach die Tür aufzumachen, rauszugehen, seine Kinder zu sehen.

'Früher war mein Problem, dass ich zwar als Musiker Anerkennung wollte, ich dafür aber nicht die nötigen Grundlagen hatte', Copyright:
"Früher war mein Problem, dass ich zwar als Musiker Anerkennung wollte, ich dafür aber nicht die nötigen Grundlagen hatte"

Du bist ja nun nicht das erste Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Kann man sagen, dass nun aber mal die „große Wende“ einsetzt?
Ich würde mal sagen, dass ich endlich erkannt habe, dass man in meinem aktuellen Job viel Durchhaltevermögen braucht. Dass man die Sache mit Disziplin angehen und ein Ziel vor Augen haben sollte! Du musst dir jeden Schachzug fünfmal überlegen. Früher war mein Problem, dass ich zwar als Musiker Anerkennung wollte, ich dafür aber nicht die nötigen Grundlagen hatte. Ich habe einfach mein altes Leben weitergelebt und nebenbei versucht auf ein anderes Boot zu steigen; das ist nicht möglich. Ich hatte in den letzten Monaten viel Zeit zum Nachdenken, glaube, dass ich gereift bin und weiß, was ich zu tun hab.

Was dürfen deine Fans dann musikalisch von dir erwarten? Irgendwelche Experimente?
Experimente eher nicht. Die nächste Single wird ’ne geile Dancenummer, das Album an sich wird sehr vielfältig sein. Das wird für jedes Ohr ein Spaß, da reinzuhören. Wir wollen das so schnell wie möglich machen, dabei muss man aber gleichzeitig natürlich auch bedenken, dass man so seine Zeit braucht, bis alles gut klingt.

Interessanterweise bist du über ein paar Ecken ja mit Sido verwandt, auch Gerüchte um eine Kollaboration gab es da schon. Ist das noch ein Thema?
Das wird in Zukunft auf jeden Fall auch ein großes Thema für mich, das wollen wir in Angriff nehmen. Mit Feature natürlich!


 

(MG)

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