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 17.01.2011  13:00 Uhr

Helden der Heimat
Auf Enterkurs: Exit Strategy Entertainment

Überregional. Der spielebegeisterte Teil unserer Leserschaft dürfte sich noch an unsere November-Ausgabe erinnern, in der wir das ambitionierte Projekt „Pirates of New Horizons“ vorgestellt haben – ein virtuelles Abenteuer, dessen Prototyp vor etwa drei Monaten zum kostenlosen Download erschienen ist. Wir haben es für sehr liebenswert befunden, sind am Ball geblieben und haben dabei quasi im Vorbeigehen unseren aktuellen Helden der Heimat aufgegabelt. Ein Viertel von Exit Strategy Entertainment, dem Team hinter dem Spiel, ist nämlich in Bielefeld ansässig!

Tiere + Krawatten = Win, Copyright:
Tiere + Krawatten = Win

Dabei handelt es sich um Friedrich Bode, der der Kompaktheit wegen ab sofort als Friede in diesem Text auftauchen wird. Das ESE-Quartett wird komplettiert von Sönke, dem „kreativen Kopf des Projekts“, und den beiden Programmierern Skjalg aus Norwegen und Michael aus Dänemark. Sönke und Friede kennen sich bereits, seit beide Mods für die Shooter „Half-Life“ und dessen legendären Online-Ableger „Counter-Strike“ gebastelt haben.

Während Sönke danach unter anderem an „Kane & Lynch“ mitgearbeitet hat, war Friede als Level-Designer am hochgelobten „Crysis“ beteiligt und hat bei Branchen-Primus Nintendo reingeschnuppert.

Neben Kampfsequenzen wird Annha auch bei der Erkundung verschiedener Orte gesteuert, Copyright:
Neben Kampfse­quenzen wird Annha auch bei der Erkundung verschiedener Orte gesteuert

Die Rückkehr des 3D-Jump'n'Runs
Wie kam es dann zu „Pirates of New Horizons“ und Exit Strategy Entertainment? Sönke konnte sich nicht mit dem derzeitigen Mangel an 3D-Titeln anfreunden, wie sie zu seligen N64- und Playstation-Zeiten populär waren. „Er wollte einfach nur Spiele entwerfen und brauchte jemanden, der ihm Leute in Anzügen vom Leib hält. Also jemanden, der sich mit Geschäftspartnern, Behörden, Journalisten und dem restlichen Drumherum auseinandersetzt“, wie Friede erklärt.

Da dieser in der Zwischenzeit sein Studium der Medienwirtschaft in Bielefeld hinter sich gebracht hat, scheint er bestens für diese Rolle geeignet. „Ich kümmere mich außerdem um die Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, Verhandlungen und so weiter. Das umfasst auch das Verfassen von Blog-Posts auf unserer Website oder das Erstellen von Geschäftsplänen. Ich schätze der Arbeitstitel `Producer´ kommt der Sache nahe, aber ich lege nicht viel Wert auf Titel. Wir sind nur ein paar Typen, die gerne Spiele machen!“

Gut gelaunter Anzug-auf-Distanz-Halter: Friedrich Bode, Copyright:
Gut gelaunter Anzug-auf-Distanz-Halter: Friedrich Bode

Ein komplettes Spiel haben die Typen bisher allerdings nicht gemacht: Wie angedeutet ist die farbenfrohe Mischung aus Jump’n’Run und Action Adventure bislang nur als Prototyp, also eine Art ausführliche Demo, erhältlich. Hintergedanke laut Friede: „Bevor wir kostbare Zeit und Geld mit der Entwicklung eines Spiels verschwenden, das hinterher niemand spielen will, bauen wir erstmal eine grobe Version. Das Ganze veröffentlichen wir für lau im Netz und entscheiden, basierend auf dem Feedback, ob wir das komplette Spiel entwickeln oder nicht“.

Die Segel sind gesetzt
Erfreulicherweise war die Resonanz bisher fast durchweg positiv. Neben Erwähnungen in angesehenen Fachmedien wie PC Gamer oder Kotaku haben sich 98 Prozent der Personen, die den Fragebogen zum Prototyp ausgefüllt haben, auch für eine Vollversion ausgesprochen. Im Zuge der Veröffentlichung haben die ESE-Jungs außerdem ordentlich Meilen zurückgelegt.

Entwickler Michael etwa hat es vor einiger Zeit ins kanadische Montréal verschlagen, wo er einen Workshop auf der Entwickler-Konferenz des Middleware-Herstellers Unity veranstaltet hat. Bei der dazugehörigen Award-Show wurde das Team dann auch gleich noch mit einem der begehrten „Rising Star“-Preise ausgezeichnet, „was natürlich eine nette Geste ist und noch dazu gratis Middleware-Lizenzen und einen Computer für unser Team bedeutet“, wie Friede anfügt. Der wiederum hat einen Dänemark-Trip nicht nur genutzt, um Michael endlich einmal persönlich zu treffen, sondern ebenso um sich mit einem potentiellen Investor zusammenzusetzen. Das Projekt Vollversion läuft also?

Schräger Humor: Check., Copyright:
Schräger Humor: Check.

„Was die Entscheidung angeht, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch alles offen - wir suchen nach Möglichkeiten, um die Entwicklung des Spiels zu finanzieren“, stellt Friede klar und führt weiter aus: „Das Budget ist im Vergleich zu Mainstream-Produktionen der großen Hersteller lachhaft, aber für ein Start-Up ist es trotzdem eine Menge Holz. Wenn man sich einen Finanzgeber, sei es ein Investor oder ein Publisher, ins Boot holt, muss man letztendlich auch vertragliche und kreative Kompromisse eingehen“.

Durch diesen Umstand sei die Vorstellung, sich mit ausreichend Ravioli zuhause einzuschließen und das Ding kostengünstig zu komplettieren zwar etwas reizvoller, zu Lasten der Qualität werde man sich aber keineswegs entscheiden. „Wenn wir uns nicht sicher sind, dass wir das Spiel mit unser angestrebten Qualität fertigstellen können, werden wir es nicht tun. Wie unsere Entscheidung letztendlich ausfallen wird, wird man voraussichtlich Anfang des Jahres auf unserer Website verfolgen können.“

Sollten die Umstände letztlich gut für ein komplettes Abenteuer rund um die Weltraum-Piratin Annha stehen, dürften Spieler es auf PC und Mac und dank der jeweiligen Online-Stores auch auf Xbox 360 und Playstation 3 erleben. Das Update wird zockende Landratten auf jeden Fall auf dem Laufenden halten!


 

(MG)

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