Angezockt
Duke Nukem Forever
Xbox 360, Playstation 3, PC. Ich schreibe einen Text darüber, wie mir “Duke Nukem Forever” gefällt – ziemlich unfassbarer Moment, denn ich habe mehr als mein halbes Leben lang auf dieses Spiel gewartet. Die Story ist legendär: Ursprünglich sollte der Duke bereits Ende der Neunziger zurückkehren, die Entwicklung des Spiels hat sich jedoch über diverse Engines und Jahre hinweg gezogen und wurde 2009 zunächst ganz gestoppt, ehe Gearbox („Borderlands“) das Projekt vollendet hat. Was so lange währt wird endlich gut, oder?
Keine Frage, die man eindeutig mit ja oder nein beantworten kann. Nein, objektiv gesehen ist „Duke Nukem Forever“ kein besonders gutes Spiel: Die Grafik fällt häufiger durch Tief- als durch Höhepunkte auf und wirkt in Zeiten von „Crysis 2“ oder ähnlichen Großkalibern schlichtweg veraltet.
Nach über 13 Jahren Entwicklung möchte man im ersten Moment natürlich von Beinahe-Perfektion ausgehen, stattdessen ist dem Spiel seine chaotische Entstehung jedoch häufig anzusehen.
2005 wären einige detailarme Bereiche, verpixelte Objekte und hässliche Explosionen nicht so sehr ins Gewicht gefallen...wir schreiben mittlerweile jedoch 2011 und sind schlichtweg deutlich höhere Standards gewohnt. Besonders unverständlich sind deshalb auch die saftigen Ladezeiten, die zumindest auf der Xbox 360 an der Geduld zerren.
Man hat es hier zusammenfassend zwar keinesfalls mit einem optischen Rohrkrepierer zu tun, genau so wenig ist „Duke Nukem Forever“ allerdings auch als Demonstration für die Möglichkeiten der Unreal 3-Engine geeignet.
In Sachen Spielmechanik präsentiert sich der Duke zumindest grundsolide. Herzstück sind wie damals in der guten, alten Zeit die Schießereien mit den außerirdischen Invasoren. Diese Passagen gehen soweit gut von der Hand; darüber hinaus wird durch diverse Intermezzos für Abwechselung gesorgt.
Leider ist diese nicht immer willkommen: In die Länge gezogene Einsätze am Geschütz, etwas ungenau zu steuernde Geschicklichkeitseinlagen oder mäßig spannende Rätseleinlagen können dafür sorgen, dass man sich zügig nach der nächsten bleihaltigen Auseinandersetzung sehnt.
...aber:
Subjektiv gesehen lässt sich mit „Duke Nukem Forever“ trotz vieler kleiner und großer Mängel Spaß haben. Dabei ist es definitiv von Vorteil (wenn nicht sogar zwingend erforderlich), wenn man dem Vorgänger „Duke Nukem 3D“ eine besondere Stelle im Gamerherz einräumt.
Der blonde Hüne ist sich selbst nahezu kompromisslos treu geblieben und haut stumpfe Oneliner am laufenden Band raus, während er Schweinecops und Aliens plättet, mit Stripperinnen verkehrt oder sein Ego auf der Hantelbank aufpoliert. Viele kleine Minispiele und Interaktionsmöglichkeiten bieten Duke die Möglichkeit, seine ganz eigene Vorstellung von Charme auszuspielen.
Generell krankt der Titel keinesfalls an mangelnder Ambition: Die Schauplätze rangieren vom Casino in Las Vegas über ein altes Westerndorf und die Höhle der Außerirdischen bis hin zum Hoover Dam. Die Idee des geschrumpften Duke wird zwar insgesamt etwas breitgetreten, bietet besonders in einem späteren Level allerdings eine witzige Verschiebung der Perspektive: Plötzlich ist eine stinknormale Restaurantküche ein riesiges Areal voller Gefahren und ein handelsüblicher Gegner eine turmhohe Bedrohung.
Also was jetzt?
Duke Nukem und sein neues Abenteuer sind ein wandelnder Anachronismus. „Forever“ fehlt vieles, was einen guten, zeitgemäßen Shooter ausmacht – ich persönlich habe mich über weite Strecken jedoch unterhalten gefühlt, und das ist einigen objektiv gesehen besseren Genre-Kollegen (ja, ich gucke dich an, x-ter Militärshooter) in letzter Zeit nicht gelungen.
Gleichzeitig muss ich aber auch gestehen, dass ein nicht zu verkennender Teil meiner Toleranz gegenüber den Fehlern des Spiels in meinem Hang zur Nostalgie begründet ist. Jüngere Zockerfreunde, die nicht mit dem Duke aufgewachsen sind, werden eventuell lieber zu moderneren Titeln greifen. Treue Anhänger sollten dem wohl größten virtuellen Macho aller Zeiten aber eine Chance geben!
Apropos treue Fans: Falls ihr euch zu eben jenen zählt, könnte euch auch unser Gewinnspiel zum Thema interessieren!
(MG)
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